Auf Reisen

» Gepostet am Mai 09 2012

Tja, nun hat es doch etwas länger gedauert mit dem zweiten Teil meiner Reiseerzählung. Aber heute wird’s nun endlich was:
Als ich das zweite Mal aus dieser merkwürdigen Ortmaschine stieg war ich in Hannover gelandet. Und hier sollte ich etwas länger bleiben als bei der gigantischen Kirschmauskolonie.
Zunächst mussten wir aber an einem Karussell auf unseren Koffer warten. Da kam plötzlich einer an, der sah ganz genau so aus wie unserer, roch aber nach anderen Menschen. Frauchen wollte ihn schon nehmen, als eine andere Frau rasch danach griff. „Ist das auch wirklich Ihrer?“ fragte Frauchen. Panik schwang in ihrer Stimme, denn wahrscheinlich glaubte sie, die Frau wolle sich mit unseren Sachen davon machen. So etwas kann auch nur einer Art passieren, die sich mehr auf ihre Augen als auf ihre Nase verlässt. Aussehen kann vieles gleich, aber Geruch ist individuell, da gibt es keine Täuschung! Hätte dieser Koffer nach unserem gerochen, hätte ich sofort gebellt, wenn jemand anderes danach greift. Aber das konnte Frauchen als Mensch ja nicht wissen.
Endlich entdeckte Frauchen unser echtes Gepäck auf dem Karussell, schnappte sich den Koffer und wir wollten gerade an einigen uniformierten Menschen vorbei zum Ausgang gehen, als einer von denen nach meinem Ausweis fragte. Den von Frauchen wollte niemand sehen, nur meinen. Wahrscheinlich hielten sie mich für potentiell gefährlicher, was mir – ich gebe es gern zu – durchaus schmeichelte. Schließlich waren ganz entfernte Vorfahren von mir echte wilde Wölfe!

Als weitgereister Dackel habe ich selbstverständlich so ein Dokument, in dem steht wie ich heiße, wann ich geboren wurde, zu wem ich gehöre und solche Sachen, die aber eigentlich nur Menschen interessieren. Nach einem kruzen prüfenden Blick seitens des Uniformierten durften Frauchen und ich dann endlich zum Ausgang weiter.
Direkt hinter der Kontrolle erschnupperte ich sofort meine allerliebste Tante. Sie ist der einzige Mensch, der mir bisher ein Päckchen geschickt hat, richtig an meine Adresse mit nur meinem Namen drauf! Voller Schweinsöhrchen und anderen Überraschungen war das. Allein bei der Erinnerung läuft mir das Wasser im Mund zusammen!
Dass auf Tantchen in puncto Essen immer Verlass ist, zeigte sich auch diesmal sofort. Kaum hatte ich sie mit wedelndem Schwänzchen erreicht, schon steckte sie mir ein Stückchen Schmackos zu. Klasse! Dafür nehme ich gern so eine lange Reise auf mich. Frauchen kauft immer nur angeblich gesündere Sachen.
Direkt neben uns stand eine Schäferhündin, die auf ihre Menschen wartete und guckte ganz neidisch auf Tantchen und mich. Aber nicht lange, denn sofort hielt Tantchen auch ihr ein Stückchen Schmackos hin. Dabei hatte sie die doch allein für mich mitgebracht. Dass Menschen aber auch immer vom Essen abgeben müssen. Eine ebenso unverständliche wie überflüssige Angewohnheit. Vor allem wenn es sich um mein Essen handelt! Die Schäferhündin ließ sich dann aber im Gegenzug von mir überall abschnüffeln ohne auch nur einmal ihre körperliche Überlegenheit demonstrieren zu wollen. Feiner Zug! Gar nicht wie Rika, die immer gleich ihre Pfote auf meinen Rücken legen will. Rika ist meine Bernhardinerfreundin, die ich während dieser Reise auch noch treffen sollte. Aber davon berichte ich dann beim nächsten Mal, jetzt ist es schon zu spät und ich muss erstmal in den Wald, gucken, ob noch alle Bäume da sind …

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Carola Treppenschlange

» Gepostet am Apr 27 2012

Menschen sind doch eine recht beschränkte Art – das muss ich immer wieder feststellen. Vor allem, was ihre Sinne betrifft, sind sie von der Natur beim Verteilen selbiger eher übergangen worden. Nehmt allein ihren Geruchssinn, der diesen Namen kaum verdient. Vom Jacobschen Organ will ich lieber ganz schweigen, das besitzen sie ja nicht einmal. Und die wenigsten wissen, was das ist. (Eifrige Leser meines Blogs selbstverständlich ausgenommen, ich habe dieses Organ ja schon im Januar unter Scheinwelt beschrieben.)
Trotz ihrer so offenkundigen Beschränktheit glauben die Menschen aber, dass allein ihre Wahrnehmung die einzige Wirklichkeit sei. Mein Frauchen ist da leider keine Ausnahme. Als sie Carola Treppenschlange das erste Mal sah, kreischte sie vor lauter Schreck so laut, dass die halbe Nachbarschaft zusammenlief. Dabei war Carola an dem Tag nur etwas unvorsichtig. Sie ist eine etwa einen Meter zwanzig lange Schlange, die schon länger als ich in unserem Garten lebt. Doch ich will ganz von vorn beginnen.

Gleich als ich bei Frauchen einzog, lernte ich Carola kennen. Ich hatte sie während meiner ersten Erkundungstour in ihrem Versteck unterm Efeu aufgestöbert. Wir stellten uns vor und schlossen einen Pakt: ich würde Carola nicht verbellen, wenn sie sich ihrerseits vorsichtig verhalten und nie in Frauchens Nähe blicken lassen würde.

Über zwei Jahre hielt Carola sich an unser Abkommen. Aber letzten Sommer schlängelte sie am hellichten Tag durch unseren Rasen, gerade als Frauchen die Wäsche aufhängen wollte. Frauchen, die zuvor nie etwas von Carolas Gegenwart bemerkt hatte – sie ist eben nur ein Mensch und dementsprechend mit nur rudimentär funktionierenden Sinnesorganen ausgestattet – kreischte laut und ließ die Wäsche fallen, was die arme Carola in eine Art Schockzustand versetzte. Erstarrt blieb sie zunächst im Rasen liegen und stellte sich tot. Frauchen lief derweil kopflos ins Haus, wahrscheinlich um die Feuerwehr zu rufen, während die halbe Nachbarschaft aufgeregt herbeieilte. Ich sprang hinter Frauchen her, um sie zu beruhigen. Aber Menschen verstehen sich ja leider kaum auf die Sprachen anderer Arten.
„Eine Schlange! Hilfe! Eine Schlange in meinem Garten!“ quiekte Frauchen und versperrte Fenster und Türen. Mich sperrte sie gleich mit ein. Sie dachte wahrscheinlich, Carola könne mir etwas antun und konnte sich nicht vorstellen, dass wir beide bereits seit Jahren bestens miteinander bekannt waren.
Nach einem Augenblick öffnete Frauchen unsere Haustür einen Spalt breit, um zumindest die am Gartenzaun versammelte Nachbarschaft insofern zu beruhigen, als sie ihnen zurief, wir seien noch am Leben und auch nicht gebissen worden. Die Nachbarn zogen beruhigt ab. Mir befahl Frauchen mit ihr im Haus zu bleiben. Mittels Gedankenübertragung versuchte ich ihr klar zu machen, dass Carola uns nichts tun würde. Die Ärmste hatte sich mittlerweile bis unter einen Oleanderbusch verkrochen und wollte vor lauter Angst am liebsten sterben.
Es dauerte ziemlich lange, bis meine beruhigenden Gedanken in Frauchens Bewusstsein drangen. Ich muss ihr aber zugutehalten, dass sie sie überhaupt empfing. Andere Menschen wären dazu gar nicht in der Lage. Und so öffnete sie nach Stunden, in denen ich schon meinte, wir würden im sommerlich aufgeheitzten Haus gemeinsam den Erstickungstod sterben, erneut die Haustür und trat zögerlich einen Schritt auf die Terrasse. Zwei Stunden später traute sie sich von der Terrasse in den Garten, wo Carola Treppenschlange noch immer wie tot unterm Oleander lag. Endlich begriff Frauchen, wie inoffensiv die arme Carola war und beachtete sie nicht weiter. Seither hält Carola sich strikt an unsere Abmachung.

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Ortmaschine

» Gepostet am Apr 17 2012

Es gibt auf der Welt eine ganz sonderbare Maschine. Die sieht fast genau so aus wie meine Schlafhöhle, hat aber vorne eine Tür, die zugemacht wird, wenn ich in diese Maschine hineingekrabbelt bin. Dann fühle ich, wie die Maschine hoch genommen wird, und dann schaukelt es ziemlich lange hin und her, und um die Maschine riecht es nach ganz vielen gestressten Menschen. Ein bisschen so wie wenn ich in der Stadt an einer Menschenschlange vorbei gehe. Irgendwann hört das Geschaukel plötzlich auf und die Maschine steht still. Als ich das erste Mal in so einer Ortmaschine saß, dachte ich da: „Super, das war es jetzt, gleich holt Frauchen dich hier wieder raus.“ Aber Pustekuchen! Sobald die Maschine nicht mehr schaukelt, geht es erst richtig los. Es dröhnt und donnert und ist so laut, dass ich regemäßig beschließe, mich diesem Lärm durch ein Nickerchen zu entziehen. Deshalb weiß ich auch nicht genau, wie lange ich eigentlich in dieser Maschine sitze. Aber ich glaube, es gibt längere und kürzere Aufenthalte. Und je nachdem, wie lange es nun war, ist plötzlich alles um mich herum ganz anders, ganz besonders anders oder ganz außerordentlich anders.

Kürzlich war ich wieder einmal in dieser Maschine unterwegs. Ach, was sage ich: einmal? Gleich zweimal an einem Tag musste ich da rein! Der erste Ort, an den die Maschine mich brachte, war etwas merkwürdig. Ziemlich laut war es da und außer einer enorm großen Mäusekolonie gab es dort eigentlich nichts Schönes. Frauchen nannte den Ort Münchner Flughafen, was immer das auch sein mag. Ich finde Gigantische Kirschmauskolonie würde es besser treffen, denn gleich wenn man dort an die frische Luft kommt, gibt es jede Menge Rasenflächen, auf denen zahlreiche Kirschbäume stehen und unter den Rasenflächen lebt die größte Ansammlung von Mäusen, die ich je gerochen habe. Der Rasen sieht vor lauter Mäuselöchern beinahe wie ein Schweizer Käse aus, und als sei das Erdreich tatsächlich ein leckerer Käse, huschen Millionen von Mäusen unter dem Rasen durch Tunnel und Gänge. Ich glaube, wenn man als Hund da nur lange genug mit geöffnetem Fang vor so einem Loch stehen bleiben würde, würden einem die Mäuschen irgendwann von selbst ins Maul hüpfen. Das reinste Paradies!

Leider konnte ich das nicht ausprobieren, denn unsere Pläne richteten sich wieder einmal nicht nach mir. Nach einem viel zu kurzen Aufenthalt bei den Kirschmäusen, schickte Frauchen mich erneut in die Ortmaschine. Und wo ich nach diesem zweiten Aufenthalt in der Ortmaschine ankam, das erzähle ich euch dann beim nächsten Mal …

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Eiersonntag

» Gepostet am Apr 05 2012

Morgen, am Freitag, wird die erste Vollmondnacht in diesem Frühling sein. Am Sonntag darauf gibt es beim Gassigehen dann wieder jede Menge Überraschungen zu finden. Das ist jedes Jahr so. Merkwürdigerweise nur einmal im Jahr, immer am ersten Sonntag nach Frühlingsvollmond. Für uns Hunde ist das leicht zu merken, wir teilen unsere Zeit ja eher nach Monden als nach Monaten ein.
Letztes Jahr quollen an diesem besagten Sonntag Wegesrand, Wald und Wiese geradezu über vor Eiern. Leider waren die fast ausnahmslos aus Schokolade, was ja das reinste Gift für uns Hunde ist. Ich konnte nur ein einziges Hühnerei finden und das sah so unnatürlich bunt aus, dass ich es lieber habe liegen lassen anstatt es zu fressen.

Die Menschen behaupteten, der Osterhase – wer immer das auch sein mag – habe die Eier gebracht. So ein Blödsinn! Die rochen ganz eindeutig nach Menschenhand. Eine Hasenpfote war da nicht im Spiel, das hätte ich sofort erschnüffelt. Trotzdem blieben die Menschen bei ihrer Version. Wenn sie erst einmal von etwas überzeugt sind, werden sie zur Unbelehrbarkeit in Person, nicht dass sie uns Hunde überhaupt oft verstehen würden. Unsere Kommunikation geht selten über Grundbedürfnisse wie Hunger, Pipi, Spielen oder Müdigkeit hinaus. Hoch philosophische Gespräche kann man als Hund mit den Menschen leider nicht führen. Dabei täte ihnen eine Sichtweise aus Hundeperspektive sicher nur gut.
Doch kann man Birnen von einem Apfelbaum erwarten? Eben! Menschen sind viel zu beschränkt, um sich mit uns Hunden auf den Austausch tiefschürfender Gedankengänge einzulassen.
Nehmt als Beispiel für ihre Gefangenheit in ihrer eigenen Vorstellungswelt diese merkwürdige Erscheinung Osterhase. Da behaupten sie doch tatsächlich, besagter Hase würde die Eier nicht nur überall in der Gegend verstecken – ich selbst fand eines auf meinem Sofa! – sondern sie den Kindern auch in Nester legen, welche die Kleinen tags zuvor gebaut haben. Nun weiß man ja zur Genüge, dass der Hase kein Vogel ist sondern zu den Säugern gehört. Und in ganz Europa ist kein einziges Säugetier beheimatet, das Eier legt. Höchstens im Zoo gibt es ein paar Exemplare, die aus Australien eingeführt wurden und zu den Ursäugern gehören wie das Schnabeltier. Theoretisch wissen die Menschen das, nehme ich zumindest mal an. Aber praktisch verbreiten sie diesen Unsinn vom Eier legenden Osterhasen. Das aber auch nur einmal im Jahr gleich nach Frühlingsvollmond. Ist der Eiersonntag erst einmal vorbei, wird dieser Hase mit keinem Wort mehr erwähnt. Sie sind wirklich eine ganz außerordentlich merkwürdige Art die Menschen.

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Hundemaus

» Gepostet am Mrz 26 2012

Also jetzt hat Frauchen es wirklich auf den Augen! Wisst ihr, wie sie mich gestern genannt hat? Beinahe schäme ich mich, es hier so öffentlich zu wiederholen. Mit „kleine Hundemaus“ hat sie mich doch tatsächlich angesprochen. Wo hat man so etwas denn schon gehört? Als ob es je in der Geschichte der Evolution der Arten eine Kreuzung zwischen Hund und Maus gegeben hätte. Nee, wirklich! Eine Beleidigung ist das! Schließlich weiß ich genau, dass beide meine Eltern Dackel waren! Mami war ein Tigerdackel genau wie ich: Alexandras Nele. Und Papi habe ich zwar nie persönlich kennengelernt – was ihm verziehen sei, ich weiß ja, dass wir Rüden es nicht so mit dem Sich-um-den-Nachwuchs-kümmern haben – aber dass er ein stattlicher Dackel war, das steht in meinem Ahnenpass: Mc Gywer vom Himmelstor.

Ein ebenso stattlicher Zwergdackel wie Papi bin ich übrigens auch. Also von wegen „klein“. Für einen Zwerg bin ich sogar überdurchschnittlich groß! Fast schon kleiner Standart möchte ich behaupten. Wie Frauchen also auf diesen Ausdruck „kleine Hundemaus“ kommt ist mir schleierhaft.

Sieht man doch sofort, dass ich kein Nager bin. Ja, gut, meine Nase ist vielleicht tatsächlich etwas fein und vorne zusammenlaufend, gar nicht so breit wie etwa bei einem Boxer, eher schon, hm?, ja, mit den wenigen seitlichen Barthaaren vielleicht wirklich ein kleines bisschen wie bei einer Spitzmaus … und wenn ich auf dem Rücken liege, und meine Ohren in all ihrer Schönheit völlig ausgebreitet sind statt wie sonst nach unten zu hängen, dann haben sie in ihrer Stattlichkeit tatsächlich etwas von den Lauschern einer Fledermaus, das will ich gar nicht leugnen, aber ein Blick auf meine Reißzähne sollte doch wohl genügen, um alle Welt wissen zu lassen, dass ich ein Raubtier bin – ein Hund! – und mitnichten eine Maus!

Während Frauchen sprach hatte sie übrigens wieder diesen verklärten Blick, der hin und wieder ihr sonst recht hübsches Gesicht verzerrt. Meistens dann, wenn sie etwas anguckt, was sie mag. Kirschkuchen zum Beispiel. Oder ein neues Paar Schuhe. Ich tippe also auf ein schleichendes Augenleiden, das sich irgendwie auf ihr Hirn auswirkt, um nicht zu sagen es ganz abschaltet. Denn weder beim Kirschkuchenessen noch beim Schuhekaufen kennt Frauchen Grenzen. Ihre grauen Zellen scheinen vorrübergehend zu streiken, wenn dieser Blick sie befällt. Und so wird das gestern wohl auch gewesen sein, denn wachen Verstands würde Frauchen mich bestimmt nie so beleidigen! Dafür liebt sie mich zu sehr!

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Reisen

» Gepostet am Mrz 20 2012

Ein-, zweimal im Jahr manchmal auch öfter kommt es vor, dass meine Menschen Koffer packen. Ich ahne dann immer Böses, denn ein gepackter Koffer bedeutet für mich: das angestammte Revier verlassen müssen. Entweder es geht ab ins Hundehotel oder – noch schlimmer! – auf in irgendwelche Gebiete, die andere Hunde bereits unter sich aufgeteilt haben.

Das Hundehotel finde ich eigentlich gar nicht so schlecht. Ich kenne es ja auch schon seit ich fünf Monate war. Da gibt es einen geregelten Tagesablauf, viel Sport, gutes Futter und jede Menge Unterhaltung mit den anderen Hunden. Außerdem hat meine liebste Pflegerin, Belén, gar nichts dagegen, wenn ich ihr mit meiner rosa Zunge über Mund und Nase schlecke. Das ist wahre Zusammengehörigkeit! Es gibt nichts Schöneres! Trotzdem vermisse ich meine Menschen und mein Zuhause ein kleines bisschen, wenn ich dort bin, und nichts ist schöner als wenn sie mich endlich wieder abholen, und es geht zurück in unser Dorf!

Bei der anderen Reisevariante sind meine Menschen zwar bei mir, aber so richtig wohl fühle ich mich trotzdem nicht. Das Futter schmeckt nicht so wie zu Hause, das Wasser erst recht nicht, das Lager riecht ganz anders als mein angestammtes Körbchen, beim Spazierengehen lese ich nur Duftnoten von Hunden, die ich gar nicht kenne. Und wenn es in den Süden geht kann ich sicher sein, dass hinter jeder Kurve irgendwelche Streuner lauern, die sich mit mir anlegen wollen. Da nimmt mein Frauchen mich dann vorsichtshalber immer auf den Arm. Wie peinlich! Den Streunern kann ich aus dieser Lage noch nicht einmal klar machen, dass die ganze Welt eigentlich nur mir gehört, so wie ich das mit Harry zu Hause mache. Ich verrate euch jetzt mal was: sogar meinen liebsten Feind, Harry, den Rottweiler, vermisse ich wenn ich auf Reisen bin.

Was die Menschen daran finden ist mir ein Rätsel. Die machen nämlich auch nichts anderes als sich über das ungewohnte Essen zu beschweren, das Wasser aus der Leitung rühren sie vorsichtshalber gar nicht erst an, und das Bett verdient diesen Namen nicht, es ist, wenn ich ihrem Geächze Glauben schenken darf, die reinste Hängematte. Warum sie uns das mit dem Ortswechsel trotzdem Jahr für Jahr antun ist mir schleierhaft. Menschen sind so merkwürdig!

Die wissen gar nicht, wie schön es ist, wenn man mit seinem Allerwertesten im angestammten Gebiet bleibt. Da schmeckt das Futter, da riecht alles vertraut, da trifft man die guten Freunde beim Spazierengehen, ja, da würde man noch nicht einmal die Feinde gegen andere eintauschen wollen, so sehr hat man sich an sie gewöhnt!

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Men in white

» Gepostet am Mrz 10 2012

Es gibt so eine Sorte Menschen, vor denen muss man sich als Hund ganz besonders in Acht nehmen. Die laufen nur in weißen Kitteln herum und tun am Anfang ganz freundlich. Gehen in die Hocke, kraulen einem unter dem Kinn, machen alles richtig, wie ein Mensch mit Hundeverstand. Aber wenn man sich gerade in Sicherheit wiegt und denkt, klasse, die sind aber nett, dann schlagen sie zu. Und zwar meistens dann, wenn es einem so wie so schon irgendwo weh tut.
Als ich klein war musste ich oft zu diesen Menschen in weiß. Ein paar Mal, weil mir ein Grassamen im Gehörgang steckte, dann weil ich irgendwas richtig Verdorbenes gefressen hatte und ganz schlimmen Durchfall hatte, wieder ein anderes Mal, weil mir beim Spielen im Wald ein Nagel ausgerissen war und das blutete ganz doll. Und dann auch als mich eine hinterlistige Wespe in die Schnauze gestochen hatte und die so anschwoll, dass mein Gesicht kaum noch zu erkennen war. Immer wenn so etwas passierte, schnappte Frauchen mich und raste so schnell es ging zu diesen Weißkitteln. Warum sie das tut ist mir schleierhaft, denn jedesmal pieksen die mich oder tun sonst was Böses. Einfach nur getröstet haben die mich noch nie.
Ab und zu schleift Frauchen mich auch zu diesen Menschen in weiß, obwohl mir gerade gar nichts weh tut. Und dann pieksen die mich auch, diese gemeinen Wesen! Zuerst wollen sie sich immer mit einem Leckerlie einschmeicheln. Aber obwohl ich sonst einem kleinen Zwischenimbiss nie abgeneigt bin, nehme ich von denen nichts an. Denen traue ich nicht! Ich versuche meistens, mich während der Dauer unseres Aufenthaltes hinter Frauchens Beinen oder unter einem Stuhl zu verstecken. Manchmal klappt das tatsächlich und Frauchen kauft nur irgendwas. Und ich muss mich nicht auf diesen kalten Stahltisch setzen. Aber selbst dann, wenn die Weißkitttel mir mal überhaupt nichts antun, bin ich immer heilfroh, wenn ich endlich wieder raus kann aus diesen Räumen, die mich bis in meine Albträume verfolgen.
Am liebsten würde ich um das Haus der Weißkittel immer einen großen Bogen machen. Leider geht es aber nicht immer nach mir und Frauchen besteht darauf, diese gemeinen Menschen wenigstens einmal im Jahr zu besuchen, was ich dann jedesmal auszubaden habe. Warum Frauchen die immer wieder sehen will, weiß ich ehrlich nicht. Vielleicht tun sie ihr leid? Und sie denkt, ich würde doch irgendwann Freundschaft mit ihnen schließen? Die gucken nämlich immer ganz traurig, dass ich so gar nichts von ihnen wissen will. Aber das haben sie sich nun wirklich selbst zuzuschreiben, hinterhältig wie sie sind und immer mit einer Spritze in Reichweite…

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Heidelämmchen

» Gepostet am Mrz 01 2012

Vor etwa einem Jahr war ich zum ersten Mal in der Heide. Super schöne Gegend, müsst ihr unbedingt mal hin! Besonders die weiten Flächen, auf denen ich Kaninchenspuren verfolgen konnte, gefielen mir gut. Normalerweise lässt Frauchen mich in fremden Gegenden selten von der Leine. Das muss schon ein sehr übersichtliches Gelände sein, wo sie das mal tut. Sie will mich immer im Blick haben. Weite Strecken der Heide sind zum Glück so übersichtlich, da wächst höchstens mal ein Wacholderstrauch, hinter dem ich nur kurzfristig verloren gehen könnte.
Frauchen denkt, ich würde mich an neuen Orten leicht verlaufen. Ja, Menschen sind so, die schließen immer von sich auf andere Arten. Dabei sind sie doch so gut wie die einzigen, die Probleme mit der Orientierung haben. Ich habe schließlich meine Nase, um meinen Weg zu finden. Sollte ich Frauchen tatsächlich mal aus den Augen verlieren, könnte ich immer auf meiner eigenen Spur zurück zu unserem Ausgangspunkt laufen. Theoretisch weiß Frauchen das, aber in der Praxis richtet sie sich nicht danach. Ja, auch so sind die Menschen, sie handeln gern entgegen ihres Wissens.
Aber nun zu meinem eigentlichen Thema: mein Heidelämmchen. Das ist kuschelig weich, in etwa so groß wie ich und Frauchen schenkte es mir in Lüneburg, wo wir auch übernachteten.

Wir waren zusammen mit Frauchens bester Freundin in einem Hotel direkt am Stadtpark untergebracht. Frauchen sucht immer Hotels aus, in denen ich überall dabei sein darf. Sogar im Frühstückssaal. Der war besetzt mit älteren Damen, die, kaum hatte ich den Raum betreten, in verzückte Schreie ausbrachen: „Ist der süß!“ „Wie heißt der denn?“ „Na, du Putzi, komm doch mal her.“ „Och, wie niedlich!“
Hoch erhobenen Hauptes schritt ich an den lockenden Damen vorbei. Schließlich trug ich mein neues Heidelämmchen in der Schnauze und der Sinn stand mir nicht danach, mich um liebebedürftige ältere Damen zu kümmern. Ich hatte Besseres vor: ich wollte an meinem Heidelämmchen den Genickbruch üben.
Das wussten die Damen noch nicht und sie überschlugen sich beinahe vor Begeisterung: „Ach, Gottchen, wie reizend, der spielt mit seinem Lämmchen,“ meinte eine und lächelte mich ganz verzückt an. „Na, du Kleiner, willst wohl mal ein guter Hirtenhund werden?“ sagte sie.
Entschuldigung? Hirtenhund? Ich? Hatte die denn keine Augen im Kopf? Habe ich etwa die spitzen, aufgerichteten Ohren eines Hirten? Nein, natürlich nicht, ich habe die typischen Schlappohren eines Jägers! Eine solche Fehleinschätzung konnte ich nicht im Raum stehen lassen. Sofort schnappte ich das Lämmchen in der Mitte und schüttelte es kräftig hin und her, genauso wie ich das nach erfolgreicher Jagd tun würde, um der Beute das Genick zu brechen. Wild schlug ich es nach rechts und links. Immer wieder, bis ich sicher war, dass selbst ein echtes Lämmchen eine solche Behandlung nicht überleben würde. Nicht, dass ich jemals eines zu schnappen gekriegt hätte…
„Das ist aber komisch. Was macht er denn da?“ erkundigte sich eine der Damen. „Er übt den Genickbruch,“ klärte Frauchen sie auf. „Das ist typisch für einen Jagdhund.“
Ein enttäuschtes Raunen ging durch den Saal. „Wie furchtbar,“ ereiferte sich eine der Damen. „Wie grausam!“ „Kann man ihm das nicht abgewöhnen?“ „Würde er das etwa auch mit einem lebendigen Tier machen?“ „Wenn er eins erwischt,“ antwortete Frauchen.
Ab dem Morgen grüßte mich keine der älteren Damen mehr, wenn ich stolz mit meinem Heidelämmchen im Maul den Frühstückssaal betrat. Das bekümmerte mich nicht weiter, ich hatte ja (s.o.) Besseres zu tun.
Eine wichtige neue Lektion über die Menschen habe ich dadurch gelernt: irgendwie wollen sie immer gegen die Natur.

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Hasentod

» Gepostet am Feb 21 2012

Frauchen hat da so eine Geschichte geschrieben, höchst interessant kann ich nur sagen. Auch für uns Hunde. Da kommt nämlich nicht nur ein Stallhase drin vor, der vorzeitig das Zeitliche gesegnet hat, sondern auch von jeder Menge Knochen ist da die Rede. Echt zum Ohrenspitzen!

Aber der Reihe nach: Wilhelm Knackstedt, Kaninchenzüchter aus Eddinghausen will ein Versteck für seinen toten Prachtrammler Fritz ausheben. Den hatte seine Schwester Else nämlich zuvor ins aus lauter Mohrrübenbeeten bestehende Paradies für Karnickel geschickt, um die sterblichen Überreste von Fritz als Weihnachtsbraten zu verzehren. Statt sich nun aber über den leckeren Braten zu freuen, will der alte Knackstedt ihn wie gesagt verbuddeln. Was wieder einmal so ein Beweis dafür ist, wie merkwürdig die Menschen ticken. Wer vergräbt denn schon Fleisch? Wir Hunde würden jede Faser sofort verschlingen, kaum dass sie uns vor die Schnauze käme. Da kennen wir nichts und nehmen im Zweifelsfall sogar durch Überfressen hervorgerufene, ärgste Bauchschmerzen in Kauf, nur damit auch ja kein Stückchen von dem guten Fressen umkommt. Fleisch taugt schließlich nicht für die Vorratshaltung. Verbuddeln sollte man nur Knochen, getrocknete Schweinsöhrchen und andere harte Nahrung.

Ich glaube nun aber auch nicht, dass der olle Knackstedt den Fritz als eiserne Reserve für eventuell auf ihn zukommende Hungerzeiten ins Erdreich legen wollte. Das muss irgendeinen anderen Grund gehabt haben, der sehr wahrscheinlich mit der den Menschen so eigenen, naturfremden Sentimentalität zu tun hat. Aber egal. Fakt ist, dass der Kaninchenzüchter aus Eddinghausen beim Graben auf jede Menge Knochen stößt. Statt sich nun aber, wie das jeder Hund tun würde, riesig zu freuen, das Vorratslager eines anderen gefunden zu haben, gerät der alte Mann in helle Aufregung. Es handelt sich nämlich, wie sich später rausstellt, um ganz alte Knochen, die zu einem Mädchen gehören, das Anfang der siebziger Jahre aus Eddinghausen verschwand. Nun weiß ja jeder Hund, dass vergrabene Menschenknochen nichts Besonderes sind, allerdings nur auf einem eigens dafür ausgewiesenen Gelände. Diese Knochen aber lagen nicht auf so einem eingezäunten Gelände sondern in Knackstedts Apfelgarten, noch dazu dreißig Zentimeter tief unter der Grasnarbe. Und bei solcher Tiefe ist eines sofort klar: das war kein Hund, der den Berg Knochen da verbuddelte!

Wer das Mädchen unter Knackstedts Obstwiese verscharrt hat, das findet die ambulant im Leinebergland arbeitende Fußpflegerin Kornelia Lorenz zusammen mit Bewohnern des Gronauer Altenheims heraus. Der Hildesheimer Kommissar Harald Linden hilft auch dabei. Wie? Das beschreibt Frauchen recht schwarzhumorig in ihrem gerade bei zu Klampen erschienenen Roman Hasentod.

Super unterhaltsame Lektüre, kann ich nur empfehlen! Eignet sich auch gut, um sie Hunden vorzulesen.

Wer schon mal in Hasentod reingucken möchte, kann das hier tun: http://www.zuklampen.de/buecher/neuerscheinungen-c-33/hasentodkriminalroman-p-1274788732.html

 

 

 

 

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Mission

» Gepostet am Feb 15 2012

Habt ihr schon einmal darauf geachtet, wie zielstrebig wir Dackel durchs Leben gehen? Auch an uns bis dahin völlig unbekannten Orten? Immer vorneweg und unbeirrt bahnen wir uns unseren Weg. Ganz egal ob im Menschengedränge in der Stadt, im Park oder in der freien Natur. Ein Dackel, der missmutig hinter seinem Menschen hertrottet, so etwas gibt es nicht! Es sei denn, er ist krank.
Das liegt daran, dass jeder Dackel mit einer eigenen Mission auf die Welt kommt. Meine ist es, verwöhnt zu werden. Diese Aufgabe wurde mir sozusagen mit dem ersten Atemzug ins Körbchen gelegt. Deshalb fiel es mir auch so schwer, mich für einen Menschen zu entscheiden, und erst als Frauchen bei mir zu Hause in Wiesenburg auftauchte, wusste ich: die wird mir helfen, meine Mission zu erfüllen! Da war ich bereits fünf Monate alt und hatte andere Frauchenanwärterinnen und Herrchenanwärter erfolgreich abgelehnt indem ich mich sofort verkrümelte, wenn sie bei uns auf den Hof kamen. Aber als Frauchen auftauchte spürte ich: die ist es! Also warf ich mich ohne länger über die Konsequenzen nachzudenken vor ihr auf den Rücken und zeigte ihr als größten Zutrauensbeweis mein Bäuchlein. Seitdem sind wir zusammen und sie hilft mir tatkräftig, meine Mission zu erfüllen.
Meine größte Lebensaufgabe so mühelos abgedeckt kann ich mich anderen Untermissionen widmen. Die sucht sich jeder Dackel nach Lust und Laune. Ich habe mir gleich mehrere solcher Nebenmissionen auferlegt. Eine ist es, meinen Garten frei von Katzen und anderen Schädlingen zu halten. Eine andere erledige ich nur im Winter: ich erhalte Wasserreserven.
Vor allem nach brennenden Frostnächten laufe ich dreimal täglich durch mein weitläufiges Revier und checke die Wasseranschlüsse im Umkreis. Letzten Winter konnte ich so fünf Nachbarn vor einer horrenden Wasserrechnung bewahren. In diesem Winter sind es bereits vier und die empfindlich kalten Nächte sind noch lange nicht vorbei. Im Gegenteil! Ich glaube, das Dickste kommt erst noch Ende Februar!
Aber anstatt es mir zu danken, kommen die Nachbarn zu Frauchen und schenken ihr Schokolade, Blumen oder anderen unnützen Kram, den ein Dackel nicht gebrauchen kann. Ja, gut, es ist Frauchen, die immer den Schlüssel holt und die Haupthähne abstellt. Aber ohne mich würde sie die Lecks doch gar nicht finden!
Neulich zum Beispiel haben wir sogar im Wald einen Wasserrohrbruch gelindert. Von selbst wäre Frauchen nie auf den Gedanken gekommen, von der Straße weg und zum Flusslauf zu gehen, wo ein kleines Ausflugslokal steht. Da lief das Wasser schon zum Fenster raus!
Ich hoffe nun, dass zumindest der Besitzer des Ausflugslokals, wenn er sich bedanken kommt, etwas Besseres als Schokolade bringt. Ein getrocknetes Schweinsöhrchen wäre nicht schlecht oder ein saftiges Filetstück!
Mein größter Traum aber wäre es, wenn sich die Menschen aus unserem Viertel zusammentäten und mir meine Initiative mit etwas ganz Besonderem danken würden. Denn zu Fressen kriege ich ja eigentlich schon genug zu Hause (siehe meine Hauptmission in diesem Leben). Sie könnten ja vielleicht eine Straße nach mir benennen. Das wäre dann was für die Ewigkeit!

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