Auf Reisen
Tja, nun hat es doch etwas länger gedauert mit dem zweiten Teil meiner Reiseerzählung. Aber heute wird’s nun endlich was:
Als ich das zweite Mal aus dieser merkwürdigen Ortmaschine stieg war ich in Hannover gelandet. Und hier sollte ich etwas länger bleiben als bei der gigantischen Kirschmauskolonie.
Zunächst mussten wir aber an einem Karussell auf unseren Koffer warten. Da kam plötzlich einer an, der sah ganz genau so aus wie unserer, roch aber nach anderen Menschen. Frauchen wollte ihn schon nehmen, als eine andere Frau rasch danach griff. „Ist das auch wirklich Ihrer?“ fragte Frauchen. Panik schwang in ihrer Stimme, denn wahrscheinlich glaubte sie, die Frau wolle sich mit unseren Sachen davon machen. So etwas kann auch nur einer Art passieren, die sich mehr auf ihre Augen als auf ihre Nase verlässt. Aussehen kann vieles gleich, aber Geruch ist individuell, da gibt es keine Täuschung! Hätte dieser Koffer nach unserem gerochen, hätte ich sofort gebellt, wenn jemand anderes danach greift. Aber das konnte Frauchen als Mensch ja nicht wissen.
Endlich entdeckte Frauchen unser echtes Gepäck auf dem Karussell, schnappte sich den Koffer und wir wollten gerade an einigen uniformierten Menschen vorbei zum Ausgang gehen, als einer von denen nach meinem Ausweis fragte. Den von Frauchen wollte niemand sehen, nur meinen. Wahrscheinlich hielten sie mich für potentiell gefährlicher, was mir – ich gebe es gern zu – durchaus schmeichelte. Schließlich waren ganz entfernte Vorfahren von mir echte wilde Wölfe!
Als weitgereister Dackel habe ich selbstverständlich so ein Dokument, in dem steht wie ich heiße, wann ich geboren wurde, zu wem ich gehöre und solche Sachen, die aber eigentlich nur Menschen interessieren. Nach einem kruzen prüfenden Blick seitens des Uniformierten durften Frauchen und ich dann endlich zum Ausgang weiter.
Direkt hinter der Kontrolle erschnupperte ich sofort meine allerliebste Tante. Sie ist der einzige Mensch, der mir bisher ein Päckchen geschickt hat, richtig an meine Adresse mit nur meinem Namen drauf! Voller Schweinsöhrchen und anderen Überraschungen war das. Allein bei der Erinnerung läuft mir das Wasser im Mund zusammen!
Dass auf Tantchen in puncto Essen immer Verlass ist, zeigte sich auch diesmal sofort. Kaum hatte ich sie mit wedelndem Schwänzchen erreicht, schon steckte sie mir ein Stückchen Schmackos zu. Klasse! Dafür nehme ich gern so eine lange Reise auf mich. Frauchen kauft immer nur angeblich gesündere Sachen.
Direkt neben uns stand eine Schäferhündin, die auf ihre Menschen wartete und guckte ganz neidisch auf Tantchen und mich. Aber nicht lange, denn sofort hielt Tantchen auch ihr ein Stückchen Schmackos hin. Dabei hatte sie die doch allein für mich mitgebracht. Dass Menschen aber auch immer vom Essen abgeben müssen. Eine ebenso unverständliche wie überflüssige Angewohnheit. Vor allem wenn es sich um mein Essen handelt! Die Schäferhündin ließ sich dann aber im Gegenzug von mir überall abschnüffeln ohne auch nur einmal ihre körperliche Überlegenheit demonstrieren zu wollen. Feiner Zug! Gar nicht wie Rika, die immer gleich ihre Pfote auf meinen Rücken legen will. Rika ist meine Bernhardinerfreundin, die ich während dieser Reise auch noch treffen sollte. Aber davon berichte ich dann beim nächsten Mal, jetzt ist es schon zu spät und ich muss erstmal in den Wald, gucken, ob noch alle Bäume da sind …













